Madl Cloud

Die Madl Cloud ist mein Erstlingswerk, welches gegen Ende der 80er mit viel Hilfe meines Vaters in dessen Werkstatt entstanden ist – der Versuch eines Nachbaus der Cloud-Gitarre. Erstlingswerke haben ja oft eine erzählenswerte Geschichte… ich versuche es mal – ist ja schon soooooo lange her… laughing

Vorgeschichte:
Ich sah vor einer Ewigkeit (ich war so zwischen 13 und 15 Jahre alt) im Fernsehen den Film “Purple Rain” mit Prince… naja, der Film (immerhin 6,6 bei IMDB)  ist halt so n richtiger 80er Jahre Schinken… und ein Prince-Fan war und bin ich ja eigentlich auch nicht (auch wenn ich sein Talent und sein kreatives Schaffen überaus respektiere)… naja egal – irgendwie hat mich diese weiße Gitarre, die in dem Film quasi eine Nebenrolle spielt total fasziniert und so wuchs in mir die Idee und die Motivation diese Gitarre nachzubauen.

Recherche:
Gar nicht soooo einfach damals. Es gab kein Internet und kaum Literatur zum Thema Gitarrenbau… (das Kochbuch erschien erst 1998, soweit ich weiß). Also musste ich auf das Material zurückgreifen, dass mir zur Verfügung stand. Zunächst ging es an das Design der Gitarre. Ich hatte nur eine Videokassette (mit dem Film) und ein kleines Foto aus einem Musikmagazin zur Verfügung… daraus entstand in stundenlanger Arbeit eine 1:1 Zeichnung auf Karton. Einige Details habe ich dabei übersehen, bzw. bei den schlechten Vorlagen waren diese auch nicht zu erkennen. Abweichungen: das obere, lange Horn ist beim Orginal in der Dicke verjüngt. Der Madl Cloud fehlen außerdem zwei weitere Schneckenornamente – an der Kopfplatte und im Bereich der Ausgangsbuchse. Das untere Horn ist im orginal nach unten ausladender. Letzteres hätte einen ergonomischen Vorteil beim Spielen im Sitzen… Der Korpus der orginal Cloud ist etwas längergezogen und die Gitarre ist im Original mit einem durchgängigen Hals konstruiert – nicht mit einem angeschraubten… aber an und für sich finde ich meine Form gelungen und harmonsich.

Material:
Ich besorgte bei einem örtlichen Musikladen eine defekte E-Gitarre. Das war ein billiges China-Modell – ein Jackson-Nachbau mit kopierten Floyd-Rose-Tremolosystem… diese Gitarre hatte einen Transportschaden (Kopfplatten-Bruch) und so habe ich sie noch billiger erstanden. Sie sollte alle Teile liefern. Hardware, Elektronik, Pickups und Hals. Den Kopfplattenbruch hat mein Vater einwandfrei hinbekommen. Er hat einen Zapfen ausgesägt und ein neues Stück Holz an den Hals geleimt und die neue Kopftplatte herausgearbeitet. Das hat wunderbar funktioniert.
Für den Korpus hat mein Vater ein Ahornbrett organisiert – dafür haben wir sogar einen Ausflug machen müssen. Das Brett wäre für eine gewöhnliche Gitarre zu dünn gewesen – für die Cloud allerdings ideal.

Bau:
An den Bau selber kann ich mich nur bruchstückeweise erinnern. Mein Vater übernahm die Säge- und Fräsarbeiten (alle Freihändig / ohne Schablonen) und ich assistierte dabei. Was Maße und Abstände (zB Mensur) anging, orientierten wir uns an meiner vorhandenen Strat-Kopie. Auch die Halstaschentiefe schauten wir dort ab. Feilen und Schleifen war dann meine Aufgabe. Als Finish beizten wir die Gitarre Mahagoniefarben und behandelten die Stück mit Wachs. Meine Lötarbeiten waren unter aller Kanone… aber ich hielt, voller Stolz, meine eigene Cloud-Gitarre in Händen… das Gefühl war unbeschreiblich…

Fehler:
Abgesehen von den beschriebenen Abweichungen in Design, Form und Konstruktion (welche ja nur rein optischer Natur waren), hatte die Gitarre ein funktionelles Problem… sie ließ sich nicht ordentlich stimmen. Außerdem hat sich der Hals nicht besonders gut bespielen lassen. Damals schob ich diese Probleme auf die verwendeten, minderwertigen China Teile… mich nervte vor allem das Floyd-Rose-System. Für mich sehr umständlich in der Handhabung und der Saitenwechsel dauert ewig. Stimmstabil war das System auch nicht… (heute wüsste ich wie man zumindest die Stimmstabilität in den Griff bekäme…

Umbauten:
Aufgrund der Stimmprobleme entschloss ich mich das Tremolo-System durch eine feste Brücke zu ersetzen. Hier beginnt nun der richtig große Murks… foot-in-mouth ich verschloss die Tremolo-Fräsung auf der Decke mit einem Stück Acrylglas und Schraubte daran ein normales Fendertremolo fest. Der Klemmsattel blieb bestehen. Die Gitarre wurde dann von meinem Zivildienstkollegen neu lackiert in Orange mit einem Sternförmigen Störer in dem “new!” geschrieben stand. Die Stimmprobleme waren dann schon etwas besser und in dieser Form spielte ich die Gitarre sogar ein oder zwei Jahre lang. Allerdings war das Problem nach wie vor vorhanden und trübte den Spaß doch deutlich. So landete die Gitarre in einer Ecke der Werkstatt. In einem Anfall von “Spontan-Wahnsinn” lackierte ich die ganze Gitarre einfach weiß. Mit einem Pinsel und ohne viel abzukleben… ich wollte die Gitarre einfach als Deko an die Wand hängen… das Ergebniss war grauenhaft. Und so hing nun die Gitarre etliche Jahre an der Werkstattwand…

Aktuell:
Beim Werkstattumbau 2020 nahm ich die Gitarre mal von der Wand und versuchte sie zu stimmen. Dabei viel mir auf, dass ich erst mal die falschen Mechaniken verwendet hatte. Die Jackson hatte 6 in der Reihe, die Cloud braucht aber 3 Links, 3 Rechts…  ein Punkt der eigentlich noch zu den Fehlern gehört… egal. Jedenfalls hat die Gitarre nach wie vor dieses Stimmproblem nur konnte ich den Fehler jetzt auf anhieb lokalisieren. Die Oktavreinheit war einwandfrei eingestellt. Aber nach dem Durchstimmen mit der Methode “5ter Bund plus leere Saite” war die Klampfe voll daneben. Nach dem Stimmen mit einem Stimmgerät (alle leere Saiten) waren die Barregriffe und Powerchords alle einwandfrei. Offene Griffe aber grausam. Kappo auf den ersten Bund gestetzt und die Gitarre arbeitet astrein… es stimmt also der Abstand des Sattels zum ersten Bund nicht. Der Abstand ist hier zu groß – der Fehler lag schon ab Werk vor. Die Auflagefläche des Klemmsattels liegt deutlich hinter der Mensurlinie, dazu kommt ja das generelle Kompensationsproblem am Sattel. Eigentlich eine Lapalie… man hätte lediglich den Sattel etwas versetzen müssen (mit Anpassung des Griffbretts).

Umbau neu:
Ich plane nun einen erneuten Umbau der Gitarre um diese endlich spielbar und wohlklingend zu machen und nicht zuletzt soll sie auch wieder schön sein… Der Umbau wird relativ aufwändig aber es hängt ja doch eine gute Portion Nostalgie dran.

Purple Rain

Technische Daten

Seriennummer#1-1989Bünde24 Neusilber
Korpussolid, AhornMechnikenunbekannt
DeckeBrückeunbekannt
HalsAhornTonabnehmer Halsunbekannt
GriffbrettunbekanntTonabnehmer Mitte
Mensur648 mm, 25.5"Tonabnehmer Brückeunbekannt
InlaysunbekanntSchaltungunbekannt
HalsverbindungSchraubenFarbe/Finishunbekannt

Gallerie

Entwürfe / Making-of